Der Boden muss am Leben erhalten werden, damit sich die Menschheit nachhaltig ernähren kann – so die Aussage des Films «Code of Survival». Der neu erscheinende Film vergleicht wie kein anderer zuvor die industrielle und biologische Landwirtschaft und zeigt, wie die Bodenfruchtbarkeit ohne den Einsatz von Gentech-Pflanzen und Herbiziden verbessert wird.

«Eigentlich sollte man den besten Anzug anziehen, wenn man auf den Acker geht. Man muss Ehrfurcht vor dem Boden haben, denn er ist unsere Lebensgrundlage», sagt Bio-Bauer Franz Aunkofer im Film. Er war einer der ersten Bio-Bauern Deutschlands und erwirtschaftet inzwischen praktisch denselben Ertrag wie im konventionellen Anbau – ohne Gift und im Einklang mit der Natur. Der Alltag in der industriellen Landwirtschaft sieht anders aus. Dort bauen die Landwirte seit vielen Jahren Gentech-Pflanzen an und behandeln sie mit Glyphosat-haltigen Herbiziden wie Roundup. Die Resultate: resistentes Unkraut, das sich unkontrolliert vermehrt und harte Böden, auf denen nichts mehr wächst.

Franz Aunkofer auf einem seiner Felder.

Regisseur Bertram Verhaag stellt der industriellen Landwirtschaft in den USA drei Beispiele aus Deutschland, Ägypten und Indien gegenüber. Er zeigt, wie die biologische Landwirtschaft dort aus kaputten Böden fruchtbare Äcker macht, welche hohe Qualität produzieren und die Artenvielfalt steigern. Die Formel des Überlebens – der Code of Survival – liegt in der nachhaltigen und biologischen Bewirtschaftung des Bodens, wie es Jane Goodall am Ende des Films formuliert: «Wir sollten mit der Natur zusammenarbeiten, nicht gegen sie. Nur dann können wir es schaffen, die Natur und das Land wiederherzustellen»

Gegen Glyphosat resistente Unkräuter auf einem Feld in den USA.

Wie ist die Situation in der Schweiz? Wir haben bei Paul Scherer nachgefragt, dem Geschäftsführer der Schweizer Allianz Gentechfrei SAG.

FfdE: Im Film werden die Lebenswelten von Bio-Bauern in Ägypten, Deutschland sowie Indien denjenigen von industriellen Bauern in den USA gegenübergestellt. Wie ist das in der Schweiz: Wie sehen diese Lebenswelten aus und wie unterscheiden sie sich?

Paul Scherer: In der kleinräumig strukturierten Landwirtschaft der Schweiz sind riesige Monokulturen wie in den USA nicht denkbar. Dafür sorgen auch die Schweizer Labels (IP Suisse, Naturaplan, BioSuisse und weitere), die eine naturnahe und gentechfreie Produktion garantieren. So hat sich die Landwirtschaft in der Schweiz einen Marktvorteil erarbeitet, weil sie sich als Produzentin von ökologischen und qualitativ hochstehenden Lebensmitteln positionieren konnte.

FfdE: Wie hat sich das Saatgut in der Schweiz verändert und warum?

Paul Scherer: Auch in der Schweiz ist eine Konzentration auf dem Saatgutmarkt zu beobachten. Es gibt immer weniger Vielfalt. Lokale Sorten verschwinden, da sie den Anforderungen der Grossverteiler nicht mehr entsprechen. Alte Landsorten, wie sie von Pro Specie Rara gefördert werden, fristen ein Nischendasein. Immer mehr Bauernhöfe verschwinden und die Fläche der verbleibenden Höfe nimmt zu. Doch gleichzeitig nimmt in der Schweiz der Anteil der Biobetriebe zu und bei den Konsumierenden sind lokale Produkte sehr gefragt.

FfdE: Der Film zeigt, dass dank dem Einsatz von Gentech-Pflanzen und Glyphosat-haltigen Herbiziden (wie Roundup) Unkräuter resistent geworden sind. Wie reagiert die Agrochemie-Industrie darauf und was bedeutet das für die Landwirtschaft und die Konsumenten?

Paul Scherer: Die gentechnisch veränderten Kulturpflanzen, die seit gut 30 Jahren auf dem Markt sind, wurden im Labor so verändert, dass sie selber Schädlingsgifte produzieren (sogenannte Bt-Pflanzen) oder gegen die Besprühung von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbizide) immun sind. Weit über 90 Prozent der Gentech-Pflanzen mit einer Herbizidresistenz sind gegen ein einziges Herbizid immun – gegen Roundup von Monsanto. Mit dem ausufernden Gebrauch dieses Herbizides hat man diese Resistenzen geschaffen. Anstatt daraus zu lernen und die Anbaumethoden zu überdenken, werden nun noch mehr und noch giftigere Herbizide eingesetzt.

Wir sind heute weltweit mit einer gigantischen Pestizidmonokultur konfrontiert. Die Rückstände dieser Gifte werden sich noch stärker in unserer Umwelt ansammeln. Die geplanten Fusionen der grössten Agro- und Chemiekonzerne und die zunehmenden Patentierungen von Saatgut werden diese Tendenz noch verstärken.

FfdE: Das Gentech-Moratorium wurde im März 2017 um vier Jahre verlängert. Was bedeutet das für die Schweiz, auch in Anbetracht globaler Entwicklungen?

Paul Scherer: Das Gentech-Moratorium geht auf die sogenannte Gentechfrei-Initiative zurück und wurde nun zum dritten Mal verlängert. Gemäss einer Befragung für die Univox-Umwelt-Studie aus dem Jahr 2015, nehmen fast drei Viertel (70 Prozent) der Befragten in der Schweiz die Gentechnik in der Lebensmittelherstellung als Gefahr war. Die Befragten wollen keine Gentechnik auf dem Feld und auf dem Teller. Nur Klimawandel, Kernkraftwerke und vor allem Chemikalien und Pestizide (83 Prozent) werden als noch gefährlicher bewertet.

Die Schweiz ist mit ihrer Ablehnung der Gentechnik in bester Gesellschaft. Sie ist keine gentechfreie Insel, wie die Wirtschaftsverbände gern behaupten. Anfang 2015 beschloss die EU, genetisch veränderte Nutzpflanzen grundsätzlich zuzulassen, den einzelnen Mitgliedsstaaten jedoch nationale Verbote zu ermöglichen. 17 von 28 EU-Staaten – darunter unsere Nachbarländer Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich – sowie vier Regionen haben sich gegen den Anbau von bereits zugelassenen GVO-Pflanzen entschieden.

Auch die amerikanischen Konsumentinnen und Konsumenten sind skeptischer geworden. Die Nachfrage nach gentechfreien Produkten wächst dort so stark, dass bei einigen Pflanzen Rohstoffe oder gentechfreies Saatgut aus Europa und Asien importiert werden müssen.

 

Wir danken Paul Scherer für das Interview und dafür, dass die Schweizer Allianz Gentechfrei uns bei der redaktionellen Arbeit dieses Themas unterstützt.

 

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Gentech + Saatgut aufgelistet.

Die DVD des Films ist hier erhältlich.

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