Er hat mit seinem Team vom Bruno Manser Fonds und ein paar engagierten Verbündeten geschafft, was viele für unmöglich hielten – die Absetzung des korrupten Regierungspräsidenten von Sarawak und somit ein wichtiger Schritt zu Rettung des Regenwaldes von Borneo. Wie geht es nun weiter? 

Miriam Hetzel hat für Filme für die Erde bei Lukas Straumann – Geschäftsführer des Bruno Manser Fonds – nachgefragt.

Lukas Straumann

FfdE: Grossbanken, Regierungspräsidenten, Hollywoodstars, Chemie & Pharmaindustrie – Sie nehmen es mit allen auf. Was treibt Sie und Ihr Team an, sich mit diesen Leuten anzulegen?

LS: Wer die Abholzung des Regenwalds von Borneo an ihren Wurzeln bekämpfen möchte, landet sehr schnell bei korrupten Politikern und internationalen Banken, die das Geld aus der illegalen Abholzung waschen. Wir können den Wald nur schützen, wenn wir die Korruption stoppen. Deshalb ist es wichtig, die Spur des Geldes zu verfolgen.

„Wir können den Wald nur schützen, wenn wir die Korruption stoppen.“ 

FfdE: Hatte es auch schon einmal negative Konsequenzen für Sie persönlich, die Mächtigen und Einflussreichen dieser Welt anzugehen?

LS: Ich wurde in Malaysia beschattet und auf Antrag der malaysischen Regierung von einer internationalen Konferenz ausgeschlossen. Das trifft mich aber nicht wirklich. Dank unseres klaren Mandats und der Finanzierung durch unsere Mitglieder sind wir sehr unabhängig und können nicht leicht unter Druck gesetzt werden.

FfdE: Was hat sich in Sarawak seit der Absetzung von Taib getan? Hat der neue Regierungschef Tan Sri Adenan Satem sein Versprechen, die illegale Abholzung zu stoppen, eingelöst?

LS: Regierungschef Adenan Satem hat den Kampf gegen die illegale Abholzung aufgenommen und den Bau des umstrittenen Baram-Staudamms gestoppt. Leider ist er nach zwei Jahren im Amt verstorben. Wir hoffen, dass seine Reformpolitik weitergeführt wird. Noch besser wäre ein Regierungswechsel.

FfdE: Ist es wirklich so einfach: Wenn Taib verschwindet wird alles wieder gut? Ist das nicht ein tiefer Sumpf von Korruption, der auch ohne den Kopf Taib weiter Bestand hat?

LS: Korruption ist die Hauptursache der tiefen politischen Krise, in der Malaysia nach wie vor steckt. Premierminister Najib Razak hat mehrere Milliarden Dollar aus dem Staatsfonds 1MDB gestohlen und mit Hilfe von Schweizer Banken gewaschen. Die Justiz im Land ist ohnmächtig. Trotzdem haben wir Fortschritte gemacht, nicht zuletzt dank internationalem Druck und Strafverfahren in der Schweiz und den USA.

FfdE: Ist es überhaupt möglich, Korruption ganz zu stoppen? Wenn ja, was braucht es dazu?

LS: Transparenz ist eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung von Korruption: bei der Ausschreibung und Vergabe von öffentlichen Aufträgen, bei der Parteienfinanzierung, aber auch im Aktienrecht, wo wir öffentliche Aktienregister für Unternehmen verlangen. Da gibt es auch in der Schweiz noch einiges zu tun. Und wir brauchen die systematische Mithilfe der Banken bei der Prävention und Aufklärung von Geldwäscherei aus Korruption.

FfdE: Finden Sie, die Menschen sollten sich generell mehr einmischen?

LS: Unbedingt. Demokratie und Rechtsstaat leben von der Einmischung der Einzelnen. Sehr wirksam können schon ganz einfache Mittel sei, beispielsweise mit einem Brief bei einem Unternehmen oder einer Verwaltungsstelle kritisch nachzufragen.

FfdE: Wie kann man Sie unterstützen? Und können auch wir hier in der Schweiz direkt etwas für den Regenwald und die Bewohner von Sarawak tun?

Der beste Weg, uns zu unterstützen, ist Mitglied des Bruno Manser Fonds zu werden. Wir können dem Bundesrat bei den geplanten Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien auf die Finger schauen, damit problematische Produkte wie Palmöl nicht verbilligt werden. Nachhaltiger Konsum ist natürlich auch sehr wichtig – nicht nur für den Regenwald von Sarawak.

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Das ganze Abenteuer kannst du im Film ‚The Borneo Case‘ miterleben. Der Film begleitete die Aktivisten rund um Straumann während fünf Jahren und zeigt, wie sie sich dank Hartnäckigkeit und guter Recherche international Gehör verschaffen und einen Diktator in die Knie zwingen.

Wir freuen uns sehr, «The Borneo Case» am 22. September 2017 in 17 Standorten der Schweiz und in Liechtenstein am Filme für die Erde Festival zu zeigen. Mehr Infos und alle Austragungsorte unter: www.FILMEfürdieERDE.org/festival

Alle Infos zum Bruno Manser Fonds findest du hier.

Über den Autor

Alina
Kommunikation

Durch meine Mitarbeit bei Filme für die Erde kann ich Wissen verbreiten, Menschen mit positiven Projekten inspirieren und beruflich das tun wofür ich auch privat stehe - gemeinsam eine nachhaltige Zukunft gestalten.

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