James Balog ist ein renommierter US-amerikanischer Naturfotograf und Geowissenschaftler. Im Film «The Human Element» dokumentiert James Balog, wie die klassischen vier Elemente und der Mensch als fünftes Element sich gegenseitig verändern. Durch die Kombination von Kunst und Wissenschaft zeigt er bildgewaltig die Auswirkungen des Klimawandels auf.

Fotograf James Balog beim Ilulissat Bay, Grönland, März 2008.

(This interview can also be read in English: The Power of the image – Interview with James Balog)

Filme für die Erde: Was war ausschlaggebend für dein Interesse, die Auswirkungen des Klimawandels in Film und Fotografie festzuhalten?

James Balog: Ich glaube, dass die Unmittelbarkeit der Fotografie mentale Hürden überwinden kann wie sonst kaum etwas. Die Fotografie ist eine Handlung aus Liebe, die den Fotografen dazu bringt, anzuhalten und genauer hinzuschauen, das Gesehene zu fühlen und sich vielleicht sogar den ein oder anderen Aspekt davon zu eigen zu machen.

Wie bringst du Kunst und Wissenschaft zusammen, um eine starke Botschaft vermitteln zu können?

Bei meiner Arbeit machen wir Kunst auf der Basis von Wissenschaft. Durch die Kombination können wir sowohl die linke, rationale, als auch die rechte, intuitive Gehirnhälfte ansprechen. Wissenschaftliche Informationen sind enorm kraftvoll und wichtig, und die Forschenden verfügen über ein grosses Wissen. Leider fehlt es oft an den notwendigen Kanälen, um diese Informationen wirksam an die Öffentlichkeit zu bringen, einmal abgesehen von ein paar Zahlen in Zeitungsartikeln. Die Wissenschaftler waren sehr erfreut über die Möglichkeit, die Geschichte hinter den Zahlen und Grafiken vermitteln zu können. Es war wirklich herzerwärmend, den Enthusiasmus zu sehen.

Welches Erlebnis hat dich bei deiner Arbeit für «The Human Element» am meisten beeindruckt?

Das Fotografieren der Waldbrände und die Rückkehr zum traditionellen Kohlebergbau-Dorf waren beides sehr eindrückliche Erfahrungen. Die Waldbrände sind unglaublich einschüchternde Naturkräfte. Ich habe höchsten Respekt für die Feuerwehrleute, für ihren Mut, ihre Beharrlichkeit und ihre Fähigkeit in dieser Umgebung zu arbeiten. Die Waldbrände haben mich auch beeindruckt, in der Art wie sie die Geschichte von Luft, Wetter, Klima, Pflanzen und Menschen verknüpfen.

Zu meiner Erfahrung mit dem Kohlesektor: Wie ich auch im Film erwähne, habe ich die bewundernswerte Vorstellungskraft und den Mut entdeckt, welche die Arbeiter in das Überleben der Minen steckten. Dies hat den Stolz auf meine Vorfahren enorm vergrössert. Gleichzeitig wurde mir durch die Rückkehr zu dem Kohlebergbau-Dorf noch stärker bewusst, wie wichtig es für unsere heutige Gesellschaft – und ihre Industrie- und Finanzarbeiter – ist, dass wir die Muster der Vergangenheit hinter uns lassen und uns den Möglichkeiten der Zukunft zuwenden.

Wir sehen, was in der Welt passiert. Welches Thema sollte nach deiner Meinung dringend als nächstes thematisiert werden?

Die Frage der Energienutzung und -zufuhr bleiben wichtige Themen. Es gibt keine magische, allgemeingültige Antwort. Wir müssen alle tun was wir können, mit den Möglichkeiten und Mitteln die wir in unserem Leben haben. Auf der grossen gesellschaftlichen Ebene ist es jedoch wichtig für die Weltwirtschaft zu erkennen, dass das Verbrennen von Kohle einen Preis hat. In der Praxis bedeutet das, eine Steuer auf Kohle zu erheben, selbst wenn das Wort «Steuer» ein unbeliebtes Thema bei vielen Menschen ist. Die Einnahmen aus der Kohlesteuer könnten wir brauchen, um diverse Probleme in der Technik, Energiegewinnung, Infrastruktur und Gesellschaft zu lösen.

«The Human Element» ist sehr persönlich. Was passiert mit dir, wenn du die schwierigen Schicksale von Menschen so nah an dich heranlässt?

Diese Leute zu treffen und mehr über ihre Umstände zu erfahren, hat mein Mitgefühl und das Interesse für meine Mitmenschen verstärkt. Wir sitzen alle im selben Boot, in den selben turbulenten Gewässern und atmen dieselbe Luft.

Welche Perspektiven helfen dir, auf dem richtigen Weg zu bleiben?

Der stärkste Beweis ist schlicht und einfach die Stimme der Natur selbst. Wir sehen die Auswirkungen auf unseren Planeten. Dies, sowie die unglaubliche Anhäufung von wissenschaftlichen Erkenntnissen über Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Filmtipp: Wie verändert uns der Klimawandel? Der Dokumentarfilm “The Human Element” mit dem renommierten Fotografen James Balog feiert am 21. September um 20:00 am Filme für die Erde Festival Schweizer Premiere! Komm vorbei, sei dabei. Alle weiteren Infos zum Festival findest du auf unserer Eventseite.

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