Über 40% von den über 16’600 Insektenarten in der Schweiz sind gefährdet. Der Insektenschwund hat weitreichende Konsequenzen für uns alle, denn Insekten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere. Sie bekämpfen Schädlinge, bestäuben Wildblumen, Apfel- und Kirschbäume, Karotten, Tomaten, sowie Pflanzen, aus denen wir unter anderem unsere Kleider herstellen.

Yasemin Kurtogullari

Interview mit Yasemin Kurtogullari. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Naturschutzabteilung an der Universität Bern.

Die ehemalige Biologiestudentin arbeitet an einem Projekt zur Revitalisierung von Wiesen. Mit ihrem Team untersucht sie, ob und wie durch intensive Landwirtschaft verarmte Wiesen ökologisch aufgewertet werden können und was dabei mit den Pflanzen und Insekten dort passiert.

Filme für die Erde: Welche Insekten sind besonders beeindruckend?

Yasemin Kurtogullari: Es gibt weltweit mehr als 5 Millionen Insekten und genauso vielfältig sind ihre Lebensweisen. Wenn zum Beispiel die Larven des dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings schlüpfen, lassen sie sich fallen und werden von Ameisen in deren Bau gebracht. Dort verpuppen sie sich und verlassen später als schöner Bläuling den Ameisenbau. Ein solches Zusammenspiel der Natur ist für mich unglaublich.

Wie steht es um unsere Insektenbestände?

An den endlos langen Roten Listen kann man schnell erkennen, dass viele spezialisierte Insektenarten gefährdet sind. Darunter auch der eben vorgestellte Bläuling. Erschreckenderweise hat letztes Jahr eine deutsche Studie gezeigt, dass in den letzten 30 Jahren neben diesen spezialisierten Arten auch die gesamte Masse aller fliegenden Insekten um 75% abgenommen hat.

Warum sterben so viele Insekten?

Durch die weltweite Intensivierung der Landwirtschaft haben die Insekten weniger Platz und Nahrung. Noch direkter ist der Einfluss der viel angewendeten Pestizide, die sie direkt töten. Auch invasive Arten, die durch die Globalisierung eingeschleppt wurden, sowie der Klimawandel bringen das über Jahrtausende abgestimmte System aus der Balance.

Wie können wir die Insekten retten?

Am wichtigsten ist wahrscheinlich, dass wir den Insekten nicht den Platz zum Leben wegnehmen. Das können wir uns bei jedem Rasenmähen und Giften im Garten zu Herzen nehmen und den Insekten das natürliche Habitat zugestehen, zum Beispiel mit einem Insektenhotel (siehe nächste Seite). Jeder kann einen Beitrag zum Schutz der Insekten leisten.

Wer setzt sich für Insekten ein?

Viele Forschende untersuchen Insekten, um eine wichtige Grundlage für deren Schutz zu bilden. Darauf aufbauend haben Bund und Kantone Aktionspläne geschaffen, um seltene Arten zu schützen. Viele LandwirtInnen und Hausbesitzende sind sich ebenfalls der Problematik bewusst und versuchen, die kleinen Helferlein mit Rückzugsstreifen beim Mähen oder mit Asthaufen zu fördern.

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