Muhammad Yunus eröffnet das Festival? Ja, unglaublich und wahr! Die entschiedene Mail mit der Zusage von Muhammad Yunus aus Bangladesh löste in unserem Büro in der Steinberggasse in Winterthur eine wahre Euphoriewelle aus.

Also, von vorne: Wir haben uns schon früh auf die Suche nach einem Pionier zur Eröffnung des Festivals gemacht, der die Menschen berührt und einen deutlichen Bezug zum Thema „Ressource Mensch“ hat. Gemeinsam haben wir im Team Ideen gesammelt, angefragt und um Antworten gebangt.

Muhammand Yunus ist der wohl geeignetste Pionier zur Eröffnung des Filme für die Erde Festivals mit dem Thema „Ressource Mensch“. Wird sind sehr erfreut und dankbar, dass er das Festival von Bangladesh aus per Videobotschaft eröffnen wird.

Muhammad Yunus ist Friedensnobelpreisträger 2006. Er ist Begründer der Mikrokredite und wird daher auch „Banker der Armen“ genannt. Er hatte die Idee armen Menschen in Bangladesh Kredite zu vergeben, um ihnen die Chance zu geben sich aus dem Teufelskreislauf der Armut zu befreien. Es sind vor allem Frauen Kreditnehmer (96 Prozent), weil die Erfahrung gezeigt hat, dass über sie die gesamte Familie am nachhaltigsten profitiert.

Durch die Kleinkredite werden Frauen und auch ihre Familien zu Kleinunternehmern, indem sie sich eigene Infrastruktur (beispielsweise eine Kuh, Hühner, eine Rikscha, eine Nähmaschine oder eine Reparatur) leisten, mit der sie bald einmal eignes Einkommen generieren können. Das Prinzip ist einfach, vielleicht gerade deswegen so erfolgreich?!

Die von der Grameen Bank (Gründung: 1976) vergebenen Mikrokredite müssen inklusive Zinsen (16 Prozent) je nach Absprache nach einer oder zwei Wochen zurückgezahlt werden. 97 Prozent des verliehenen Geldes wird pünktlich mit Zins zurückgezahlt. In einem Interview mit dem GEO Magazin sagt Yunus dazu: “Die meisten Banken geben Kredite nur an Leute, die schon Geld besitzen und ihnen Sicherheiten bieten können. Sie gehen bei jedem Kunden vorsichtshalber davon aus, dass er mit ihrem Geld durchbrennen will. Wir nehmen einfach das Gegenteil an und liegen in 97 Prozent der Fälle richtig. Das ist doch viel effizienter.”

Die Erfolgsrate lässt sich unter anderem auf das Prinzip der Gruppenbürgschaft zurückführen. Es gehören immer fünf Kreditnehmer zu einer Gruppe. Begleicht ein Mitglied der Gruppe den Kredit nicht, wird allen Mitgliedern ein Bonus verwehrt. Neben der gegenseitigen Bürgschaft, dient die Gruppe als Austauschplattform, um die jeweiligen Vorhaben und Investments auszutauschen und zu diskutieren.

Dieser Gruppenzusammenhalt, aber auch das Selbstinteresse eines jeden Einzelnen an einem höheren Kredit sowie die Motivation der Kreditnehmer sich aus der Armut zu befreien ermöglichen die unglaublich hohe Rückzahlungsquote.

Es wird klar: Geschenkt bekommt niemand etwas von der Grameen Bank, abgesehen von Vertrauen.

Die Grameen Bank arbeitet in 81‘379 Dörfern Bangladeschs. Neben Muhammad Yunus, der selbst Angestellter der Bank ist, gibt es noch 22‘124 weitere Angestellte, die die Geschäfte um die 8,35 Millionen Kreditnehmer organisieren.

Die Bank ist von Armen für Arme – die Kreditnehmer sind (nebst dem Staat) Inhaber ihrer Bank. Genau das Gegenteil einer konventionellen Bank, wie Yunus gerne betont. Ein deutlicher und wichtiger Gegensatz ist auch, dass die Grameen Bank immer zu den Menschen in die Dörfer kommt, nicht etwa andersrum.

Auf dem ersten Augenblick vielleicht selbstverständlich, in der Realität aber revolutionär an dieser Idee ist, dass armen Menschen überhaupt Zugang zu finanziellen Mitteln gewährt wird. Dieser Zugang ermöglich, dass sich die Menschen frei von Zwischenhändlern und damit Wucherzinsen machen können.

Vision und Haltung 

Yunus hat die Vision, dass es 2030 eine Welt ohne Armut geben wird. Er ist überzeugend, dass es einfach ist Armut zu eliminieren. Einfach, weil Armut nicht Bestandteil der Menschen ist, sondern auf die Menschen übertragen wird. Er behauptet auch, dass alle Menschen ein unbegrenztes Potenzial und Kreativität haben und es „nur“ einen Rahmen braucht dieses Potenzial entfalten zu können. Yunus postuliert Veränderungen allen voran in unseren Denkmustern. Gemäss den neuen Denkweisen hat Yunus ein neues Wirtschaftsmodell massgeblich geprägt: Social Business. Die Idee von Social Business ist gesellschaftliche Probleme auf unternehmerische Art zu lösen. Es geht nicht um Profitmaximierung, sondern um gesellschaftlichen Mehrwert, der generiert wird (ein praktisches Beispiel nebst der Grameen Bank: siehe GOOD wear).

Bemerkenswert und inspirierend ist die Haltung von Muhammad Yunus. Mit Ruhe, Klarheit und seinen klaren Visionen bewegt Yunus seine Zuhörer. Es scheint als will er jeden Einzelnen daran erinnern, dass du und ich aus einem unbegrenzten persönlichen Potenzial schöpfen können. Damit bringt er auch zum Ausdruck, dass jeder Einzelne Veränderung gestalten kann- „Ressource Mensch“ eben.

Kritische Ergänzung

Mikrokredite sind mit dem enormen Erfolg auch gleichzeitig in die grosse Kritik genommen worden. Auch hier gilt es sich die sehr unterschiedlichen Konzepte und Durchführungen von Mikrokredit-Programmen differenziert anzuschauen und zu bewerten. Weitere Informationen sind u.a. hier zu finden.

 

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