Unser Team hatte schon seit Jahren die Idee, ob man nicht eine Anlage-Möglichkeit schaffen könnte, bei welcher ein Teil der Dividende an die Bildungsarbeit von Filme für die Erde gespendet werden könnte.

Oikocredit deutsche Schweiz ist ein langjähriger Partner von Filme für die Erde. Als Festival-Aussteller haben sie immer wieder aufgezeigt, wie man Geld nachhaltig anlegen kann, nämlich zur Förderung von Frauen (Mikrokredite), von erneuerbaren Energien, Fairtrade und nachhaltiger Landwirtschaft. Und so fragten wir diese an. Silvio Krauss von Oikocredit fand die Idee spannend und sein Team hat uns Ende 2016 eine solche Möglichkeit geschaffen.

Gespräch im Coiffeursalon

Bildrechte: (c) www.nicolasvillaume.com

FfdE: Silvio, was ist die Geschichte hinter Oikocredit? 

Silvio Krauss: Vor über 40 Jahren ist Oikocredit gegründet worden, um Geld nachhaltig investieren zu können und damit eine Alternative zum konventionellen Finanzmarkt zu bieten. Damals standen insbesondere der Vietnamkrieg und die Apartheid in Südafrika als negative Beispiele im Vordergrund, in die auf Umwegen Gelder, auch aus Europa, investiert waren. Oikocredit legt das anvertraute Kapital ohne Streben nach Gewinnmaximierung nach einem Positiv-Ansatz an, immer von der Frage geleitet, wie es sozialen und ökologischen Nutzen für benachteiligte Menschen in Entwicklungsländern stiften kann.

FfdE: Wie kann man als „normaler“ Mensch mit Geld dazu beitragen, dass sich unsere heutige Gesellschaft nachhaltig positiv entwickelt?

Silvio Krauss: Geld ist wie Salz: es kommt auf den richtigen Einsatz an. Wenn ich mir den „Lebenszyklus“ meines eigenen Geldes ansehe, gibt es da drei Phasen: ich bekomme es, ich behalte es und ich gebe es wieder aus. In jeder Phase kann ich mich um Nachhaltigkeit bemühen. Vorne angefangen heisst das: verdiene ich eigentlich, was ich verdiene? Zu welchem Grossen Ganzen trägt die Arbeit, die mir entlohnt wird, bei? Am anderen Ende, beim Geld ausgeben, kann ich mich zu einem bewussten Konsum entscheiden, mein Kassenzettel ist auch ein Stimmzettel für nachhaltige Produkte und faire Anbieter. Das Bewusstsein für die mittlere Phase – Geld sparen – aber scheint mir noch unterentwickelt, denn viele Leute haben sich noch nie überlegt, was die Bank eigentlich mit Ihrem Geld macht. Mein Tipp: aktiv nachfragen und wenn die Antwort nicht befriedigt konsequent nach Alternativen suchen.

Oikocredit ist eine Alternative für die zweite Phase. Man legt Geld, auch kleine Beträge an und dieses schafft dann einerseits Dividende, anderseits Möglichkeiten in Entwicklungsländern. Hier ein Projektbeispiel aus den Philippinen.

FfdE: Wie oft wird das gemacht?

Silvio Krauss: Aktuell unterstützen wir etwa 800 Partner in über 70 Ländern auf sämtlichen Kontinenten. Über eine Milliarde Franken sind so mit einer positiven Wirkung investiert. Zu unserem Transparenzverständnis gehört übrigens, dass die meisten unserer Investitionen öffentlich auf unserer Webseite einsehbar sind.

FfdE: Wie seid ihr organisatorisch aufgestellt? Seid ihr eine Bank?

Silvio Krauss: Oikocredit International ist eine Genossenschaft mit Sitz in den Niederlanden. Der grösste Teil der Angestellten arbeitet in den Länder- und Regionalbüros im Weltsüden. Anders als kommerziell orientierte Investoren nehmen wir diese Kosten bewusst in Kauf, denn die lokale Nähe ist für uns wichtig. Das gilt auch auf der Seite der Anlegerinnen und Anleger. Sie werden von Länderorganisationen betreut, in der Deutschschweiz zum Beispiel vom gemeinnützigen Verein Oikocredit deutsche Schweiz.

FfdE: Was siehst Du als grösste Erfolge solch alternativer Finanzierungsmodelle an?

Silvio Krauss:  Ich empfinde es als Erfolg, dass wir benachteiligten Menschen auf der anderen Seite des Planeten auf Augenhöhe begegnen, statt mit Mitleid. So wie wir werden Sie mit Talent, Fleiss und Leidenschaft eine tolle Arbeit vorantreiben und so die Bedingungen für sich selbst verbessern. Gerade habe ich Menschen auf den Philippinen getroffen, die so von unserer Arbeit profitieren, und das hat mich sehr bewegt.

FfdE: Habt ihr auch Kooperationen in der Schweiz?

Silvio Krauss: Kürzlich haben wir eine Partnerschaft mit der Alternativen Bank Schweiz (ABS) lanciert, mit der wir schon zuvor eine gute Freundschaft pflegten. Bei der ABS kann man jetzt ein Oikocredit-Förderkonto als Sparkonto eröffnen. Die Einlagen gibt die ABS 1:1 an Oikocredit weiter. Das ist vor allem ideal für Leute, die von der Flexibilität eines Kontos profitieren möchten oder die Sicherheiten einer Schweizer Bank wünschen. Und natürlich sind wir gut vernetzt mit weiteren Akteuren im Feld der Nachhaltigkeit. Wir gehören zum Beispiel zu den Gründern des Dachverbandes Swiss Fair Trade und sind mit anderen Pionieren des Fairen Handels verbunden.

FfdE: Haben Filme von uns eine Rolle in Deinem Entscheid gespielt, für eine NGO zu arbeiten? Wenn ja, welche?

Silvio Krauss: „Home“ von Yann Arthus-Bertrand hat mich tief beeindruckt. Ich habe damals Betriebsökonomie studiert und wollte einfach, dass möglichst viele diesen Film sehen. Filme für die Erde war sofort bereit, eine öffentliche Vorführung an meiner Hochschule zu veranstalten. Später kam ich dann bei „Let’s make Money“ von Erwin Wagenhofer nicht mehr aus dem ungläubigen Kopfschütteln heraus.

FfdE: Vielen Dank Silvio für deine Zeit für dieses Interview.

Auf der Website von Oikocredit finden sich mehr Informationen dazu, falls Du Dein Geld bei Oikocredit anlegen und mit deiner Dividende die Bildungsarbeit von Filme für die Erde unterstützen möchtest: gerne hierlang,

In den Filmen The True Cost  und Code of Survival werden übrigens direkt Projekte (People Tree, SEKEM, Ambootia) gezeigt, welche durch Oikocredit unterstützt werden.


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